In der Welt des Jugendbasketballs prallen oft verschiedene Interessen aufeinander: Vereine kämpfen um Platzierungen, Coaches haben möglicherweise Ihre Karriere im Blick – und mittendrin stehen talentierte Kinder und ihre Eltern. DKL Rheinland Basketball möchte hier einen neuen Weg gehen: vereinsübergreifend, entwicklungsorientiert und ohne Konkurrenzdenken.

Um diese Idee fachlich einzuordnen, haben wir mit Heimo Förster gesprochen – einem langjährigen Experten für Jugendförderung und Kadertraining. In unserem Gespräch ging es um strukturelle Defizite, Missverständnisse rund um Leistungssport und die Frage, wie Kulturwandel im Rheinland gelingen kann.

1. Ausgangslage: Talentförderung ohne Vereinsdenken

DKL: Heimo, unsere Idee mit DKL ist es, ein standort- und vereinsübergreifendes zusätzliches Angebot für talentierte Kinder zu schaffen – ohne Konkurrenzdenken und ohne die Angst, dass Kinder abgeworben werden. Wir erleben oft Protektionismus und Verunsicherung in den Vereinen. Was sind deine ersten Gedanken zu diesem Ansatz?

Heimo: Mir fällt dazu eine Menge ein. Das Hauptproblem ist oft, dass wir in der Entwicklung von Talenten vergessen, dass es nicht um die Vereine, die Eltern oder die Trainer geht. Es geht allein darum, ein talentiertes Kind so zu fördern, dass es das Beste aus sich macht. DKL sehe ich hier als ein tolles Medium, weil das Angebot in vielen Vereinen oft nicht ausreichend talentorientiert ist. Junge Coaches sehen häufig nur ihren eigenen Erfolg und wollen zu schnell in die obersten Spielklassen. Entscheidend wäre jedoch, bei jeder Trainingsform zu fragen: Dient sie wirklich der Entwicklung des Kindes?

2. Wann beginnt Leistungssport wirklich?

DKL: Ab wann würdest du sagen, dass man von Leistungssport sprechen kann? Viele verbinden das ja erst mit JBBL oder NBBL.

Heimo: Das ist ein Trugschluss. Leistungssport existiert bereits in der U14, U12 und U10. Wenn Kinder mehr wollen, müssen wir ihnen das bieten. Ein großes Defizit sehe ich im Training: Drei Teameinheiten pro Woche reichen nicht aus. Talentierte Spieler brauchen eher zwei Teamtrainings und drei Individualeinheiten. Und ja, man kann auch mit Achtjährigen bereits Krafttraining machen – natürlich altersgerecht mit dem eigenen Körpergewicht oder einem Basketball. Trainer verlassen sich heute oft zu sehr auf Google oder KI, anstatt wirklich zu lernen, wie man Talente entwickelt.

Gerade vor diesem Hintergrund wollten wir wissen, wie Heimo unsere Arbeit bei DKL ganz konkret eingeschätzt.

3. Eine Plattform für Talente: Warum unterstützt Heimo DKL?

DKL: Du hast DKL in den letzten Monaten intensiv beobachtet. Wie bewertest du unsere Arbeit aus der Sicht eines Experten und aus der Sicht der Talentförderung?

Heimo: Ich sehe die DKL als ein „tolles Medium“ und eine „tolle Plattform“ für die Talententwicklung. In vielen Vereinen ist das Angebot oft nicht ausreichend talentorientiert. DKL füllt hier eine wichtige Lücke, indem ihr talentierte Kinder aus verschiedenen Vereinen zusammenbringt, damit sie gemeinsam mit erstklassigen Coaches auf einem hohen Niveau spielen können.
Ich sehe mich mittlerweile sogar ein Stück weit als Botschafter für euch. Dass solche privaten Initiativen entstehen, die zusätzlich zum normalen Spielbetrieb ein so hohes Niveau anbieten, ist eine tolle Sache. Es ist genau das, was der Nachwuchs braucht: mehr hochklassige Spiele und ein echtes Miteinander der Standorte.

4. Der Druck am Küchentisch: Balance zwischen Spaß und Erfolg

DKL: Wir wollen, dass die Kinder bei DKL Leistung bringen, aber den Spaß nicht verlieren. Wie verhindert man, dass der Druck zu groß wird?

Heimo: Man muss ganz klar sagen: Der Druck entsteht selten in den Vereinen, sondern meistens zu Hause am Küchentisch. Eltern müssen verstehen, dass sie ihren Kindern nicht helfen, wenn sie von der Tribüne aus coachen oder sich zu sehr einmischen. In der U8 oder U10 würde ich leistungsbereite Kinder aus dem Team herausziehen und zusätzlich individuell fördern, anstatt das gesamte Team mit Inhalten zu überfordern. Man darf keine Angst vor dem Begriff „Leistungssport“ haben; es geht nicht um Drill, sondern um die Förderung derer, die wirklich wollen.
Wenn man diesen Anspruch ernst nimmt, braucht es auch die richtigen strukturellen Rahmenbedingungen.

5. Umsetzung: Fokus, Spielpraxis und klare Regeln bei hochklassigen Turnieren


DKL: Bei unseren Turnieren müssen die Kinder hochkonzentriert sein, um auf diesem hohen Niveau bestehen zu können. Deshalb haben wir unter anderem ein striktes Handyverbot eingeführt. Nach einem Experiment auf einer Rückfahrt bei einem der letzten Turniere, bei der alle Kinder nur noch schweigend an ihren Geräten „geswipt“ haben, war für uns klar: Bei der DKL wird gesprochen, nicht gedaddelt.

Heimo: Das ist absolut richtig. Die Aufmerksamkeit der Kinder ist heute ohnehin oft gestreut. Solche Regeln fördern die Gemeinschaft. Ein Talent braucht Fokus – und vor allem Spielpraxis. Ich sage immer: Ein talentiertes Kind muss 50 Spiele im Jahr bestreiten, und zwar auf dem höchstmöglichen Niveau. 

6. Professionalität und Ehrenamt

DKL: Wir stoßen als ehrenamtliches Projekt derzeit an unsere Grenzen. Wie stehst du zur Entschädigung von Trainern bei solchen Wochenend-Turnieren?

Heimo: Ohne Ehrenamt funktioniert im Sport nichts, das ist klar. Aber wenn du qualifizierte Leute auf diesem Niveau gewinnen willst, musst du sie bezahlen. Da wird Fachwissen abgezapft – und das kostet in jedem Wirtschaftszweig Geld. 
Langfristig geht es jedoch um mehr als Organisation oder Bezahlung. Es geht um einen kulturellen Wandel.

7. Ein Blick in die Zukunft: Kulturwandel im Rheinland

DKL: Unsere Vision ist eine Kultur im Rheinland, in der Coaches auf Augenhöhe kommunizieren. Wenn ein Kind wechseln möchte, sollten sich die Trainer absprechen und gemeinsam mit den Eltern überlegen, was das Beste für die Entwicklung ist – anstatt hinter dem Rücken des anderen zu agieren.

Heimo: Das ist eine tolle, fast utopische Vorstellung. Aber es wird Jahre dauern, diese Offenheit zu etablieren – falls es überhaupt funktioniert. Die Realität ist oft hart: Da gibt es Berater, dreiste Eltern und Coaches, die anderen nichts gönnen. Man muss intensiv an dieser Kultur arbeiten. Für den Nachwuchs wünsche ich mir insgesamt mehr Bodenständigkeit und Demut. Vereine und Verbände müssen sich gegenseitig respektieren – und wir müssen vor allem die kleinen Vereine als Basis der Talententwicklung schützen und wertschätzen.

DKL: Heimo, vielen Dank für diese tiefen Einblicke und deine Unterstützung bei unserem Vorhaben.